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Veröffentlicht am 13.11.18

Kinderschutz - Kinderrechte - Menschenrechte - Bericht von Tag 2 des IGF, 13.11.2018

Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen

Der Schutz von Kindern im Internet war eines der prägenden Themen des zweiten Tages. WeProtect Global Alliance, ACSIS, eine Organisation, die mehr als 600 zivilgesellschaftliche Organisationen vom Afrikanischen Kontinent vereinigt, sowie UNICEF, die Internet Watch Foundation und Arda Gerkens, Senatorin des Niederländischen Parlaments beteiligten sich am Vormittag an einer Diskussion über die Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern im Internet. Die exorbitant steigenden Zahlen von Darstellungen des sexuellen Kindesmissbrauchs sowie neue Formen des Missbrauchs, wie live gestreamte Videos, und das immer jüngere Alter der dargestellten Kinder zeigen, so Susie Hargreaves, IWF, den akuten Handlungsbedarf auf. Gleichzeitig haben gerade auf dem afrikanischen Kontinent immer mehr Kinder und Jugendliche mit mobilen Endgeräten Zugang zum Internet, aber es stehen ihnen nur in geringem Umfang Angebote zur Verfügung, um die notwendigen Kompetenzen im Umgang mit Risiken zu erwerben, betonte Aicha Jeridi, ACSIS.

Anjan Bose, UNICEF, stellte den von der WeProtect Global Alliance entwickelten 21 Punkte umfassenden Katalog vor, die so genannte Model National Response. Dieser kann von den beteiligten Ländern entsprechend der nationalen Gegebenheiten umgesetzt werden, um den sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet zu bekämpfen. Auf der Basis des Katalogs wurden in verschiedenen Ländern nun erstmals ‚threat assessments’ durchgeführt, um die Gefährdungslage einschätzen und angemessene Maßnahmen umsetzen zu können. Der vollständige Bericht ist zu finden unter We Protect Global Alliance.

Arda Gerkens wies auf die Möglichkeit hin, durch verwaltungsrechtliche Maßnahmen die Grundlagen einer erfolgreichen Bekämpfung des Phänomens zu schaffen. Nur eine mit den erforderlichen Befugnissen ausgestattet Behörde könne die Dienstleister, auf deren Servern die Darstellungen gehostet werden, zu Löschung veranlassen. Gegenüber Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern bedarf es einer Null-Toleranz-Strategie, so Gerkens. Aber es sei auch erforderlich, Beratung und Unterstützung zu bieten für diejenigen Menschen, die solche Inhalte konsumierten, denn nur wenn die Nachfrage versiege, könne der Sumpf dieser Angebote trockengelegt werden.

In der anschließenden Session der Dynamic Coalition on Child Online Safety standen Web-Angebote, die sich direkt an Kinder richten oder von diesen genutzt werden, im Mittelpunkt der Diskussion. Gemäß der UN Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht auf Zugang zu Informationen, das Recht ihre Meinung frei zu äußern und gemeinsam mit anderen teilzuhaben an der Gesellschaft. Zugleich haben sie auch das Recht auf Privatsphäre und Schutz, insbesondere vor sexuellem Missbrauch und kommerzieller Ausbeutung. Kinder kommen heute in immer jüngerem Alter mit vernetzten Endgeräten und Diensten in Kontakt. Erziehung von Kindern umfasst daher auch die Aufgabe, sie zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Möglichkeiten der digitalen Welt zu befähigen. Allerdings kann und darf die Verantwortung nicht allein bei Eltern und pädagogischen Fachkräften liegen, so die Mehrheit der Teilnehmenden an der Session. Vielmehr müssten die Anbieter neue Dienste so entwickeln, dass sie von Kindern sicher genutzt werden können. Angebote, die in einer Weise gestaltet sind, die Kinder zu einem maximalen Maß an Beschäftigung mit dem Dienst motivieren, zum Beispiel sind Apps, die Anreize setzen für eine immer länger andauernde und intensivere Nutzung, ebenso fragwürdig wie Dienste, welche die Anzahl der mit dem Profil verknüpften Nutzer belohnen, oder Games, die für das Erreichen des nächsten Levels den kostenpflichtigen Erwerb von Items voraussetzen. Dies führt zu einer Kommerzialisierung von Kindheit, die insbesondere auf der Auswertung des bei der Nutzung der Dienste erfassten Verhaltens und der Ökonomisierung dieser Daten für die Entwicklung neuer Dienste beruht. Die Teilnehmenden an der Session forderten eine ethische Auseinandersetzung mit derartigen Geschäftspraktiken, Anbieter sollten die entwicklungspsychologisch bedingt unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern berücksichtigen.

Beide Themen fanden anschließen ihren Niederschlag in der thematischen Hauptsession „effektive Maßnahmen für eine inklusive und erfolgreiche digitale Transformation - was bedarf es dazu?“, die gemeinsam mit den Dynamic Coalitions organisiert wurde, sowie in der abschließenden thematischen Hauptsession zu Menschenrechten und Internet Governance.