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FOKUS


Veröffentlicht am 20.11.20

Kinderrechte im Fokus

Stiftung Digitale Chancen

Heute ist internationaler Tag der Kinderrechte, eine gute Gelegenheit, die wichtigsten Botschaften des Internet Governance Forums 2020 in Bezug auf die Rechte von Kindern zu reflektieren.

Chancen und Risiken der Digitalisierung für Kinder und Jugendliche sind in der Covid19 Pandemie wie durch ein Brennglas deutlich geworden. Während der Phasen des Lockdowns konnten und können auch Kinder und Jugendliche ihre sozialen Kontakte mittels digitaler Medien aufrechterhalten und ihre Rechte auf Zugang zu Informationen und freie Meinungsäußerung zu verwirklichen. Gleichzeitig sind sie durch eine erhöhte Onlinenutzung auch in stärkerem Maße Risiken ausgesetzt. Laut Interpol ist während der Pandemie ein deutlicher Zuwachs von Chatkommunikation in Bezug auf den sexuellen Missbrauch von Kindern zu beobachten. Dabei geht es um Grooming, d. h. die direkte Anbahnung von Kontakten zu Kindern mit der Absicht des sexuellen Missbrauchs, aber auch um den Austausch von Missbrauchsstrategien in Foren von Pädokriminellen, wie in der Session Protection or Participation? Child Rights in a New Normal erläutert wurde. Gleichzeitig haben Kinder während der Pandemie erfahren, wie stark die Bedeutung des Internets für ihren Zugang zu Informationen, zu Bildungs-, Freizeit- und Teilhabeangeboten und für ihre Selbstorganisation ist. Digitalisierung bildet die Grundlage für eine verstärkte Wahrnehmung der Rechte von Kindern. Die Zukunftsvision einer mittels digitaler Medien selbstorganisierten Bewegung von Kindern, die sich weltweit gemeinsam für ihre Rechte stark machen, welche den Abschluss der Session bildete, kann Realität werden, wenn Plattformen wie das Internet Governance Forum dafür die Voraussetzungen schaffen, indem sie die Verwirklichung der Rechte von Kindern auf ihre Agenda setzen.

In der gemeinsamen Session der Dynamic Coalitions DCs Main Session: Socio-economic recovery after the Covid19 crisis - Dynamic Coalitions’ role wurde ebenfalls das hohe Potenzial der Digitalisierung für die Verwirklichung der Menschenrechte sowie für die Gewährleistung des diskriminierungsfreien Zugangs für alle Menschen und für mehr Chancengerechtigkeit im Zuge der sozio-ökonomischen Erholung nach der Pandemie betont.

Die zunehmende Bedeutung sozialer Medien stand im Mittelpunkt der Session The Revolution won't be Televised, but Social Mediatised? Hier ging es um die Verantwortung von Plattformanbietern im Hinblick auf die Verbreitung von Desinformation und darum, inwieweit gesellschaftliche Partizipation durch mit und in digitalen Medien ausgeübtes Engagement verstärkt werden kann. Um das Risiko der Kommerzialisierung von Kindheit ging es unter der Überschrift New profiles of marketing aimed at children in the Internet . Die Entwicklung von Diensten und Plattformen, die Kinder und Jugendliche mit neuen Strategien adressieren, mache es immer schwieriger, diese vor wirtschaftlicher Ausbeutung im digitalen Umfeld zu schützen. Die Vermittlung Medienkompetenz reiche nicht aus, um die Forderungen aus Art. 32 der UN-KRK zu gewährleisten, betonten die Teilnehmenden.

Die Session Children‘s Rights and Participation in Data Governance fokussierte auf Artikel 28 und 29 der UN-KRK und das darin verbriefte Recht auf Bildung. Hier lautete eine der Forderungen, die Phase der Pandemie auch für eine wissenschaftliche Analyse der Auswirkungen digitaler Bildungsformate zu nutzen, um so Strategien zu entwickeln, die das Potenzial digitaler Medien für Bildungsprozesse nutzbar machen.

Auch die Main Session on Digital Cooperation, die sich mit der Implementierung der Roadmap des UN-Generalsekretärs befasste, betonte die Notwendigkeit, die durch die Pandemie erneut deutlich sichtbar gewordene Digitale Spaltung mit allen Mitteln zu bekämpfen und den Zugang zu digitalen Medien als Menschenrecht zu verankern. Mit der Aufgabe der Politik zur Schaffung eines regulatorischen Rahmens befasste sich auch die Session Setting childrens rights in the internet governance agenda. Auch hier wurde die Notwendigkeit globaler Kooperation und einer umfassenden Datenbasis bezüglich Zugang und Nutzungsverhalten hervorgehoben, um angemessene Maßnahmen entwickeln und implementieren zu können.

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass den Rechten von Kindern im Dreieck von Schutz, Befähigung und Teilhabe eine große Aufmerksamkeit im Kontext der Internet Governance zuteil geworden ist. Diesen Ansatz weiter zu entwickeln ist nicht nur Aufgabe der Gremien der Vereinten Nationen, sondern ebenso der nationalen Regierungen und der Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die Allgemeine Bemerkung zur UN-Kinderrechtskommission zu den Rechten von Kindern im digitalen Umfeld, deren Entwurfsfassung im August 2020 durch den Kinderrechteausschuss der UN zur Konsultation veröffentlicht wurde, bietet dafür eine hervorragende Grundlage.

Für die weitere Diskussion sind Sie herzlich eingeladen zur Beteiligung an der Open Microphone and Feedback-Session zum Abschluss des Internet Governance Forums 2020 am Mittwoch, 25.November 15.00 bis 17.00 Uhr.