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FOKUS


Veröffentlicht am 09.04.24

VOICE: Perspektiven von Kindern und Erziehenden auf Online-Sicherheit

Torsten Krause, SDC

Am 8. April haben ECPAT International, terre des hommes Niederlande und Eurochild gemeinsam in Brüssel die VOICE-Studie vorgestellt. Gemeinsam haben sie in 15 Ländern Europas, Asiens und Südamerikas über 400 Kinder und rund 6.000 Erziehende zu ihren Einstellungen, Meinungen und Erfahrungen bezüglich der Sicherheit von Kindern im Internet befragt. Dabei wurde erhoben, dass Kinder von den Vorzügen der Online-Angebote in den Bereichen Kommunikation, Unterhaltung und Bildung profitieren. Gleichwohl nehmen diese jedoch auch negative Konsequenzen durch die Nutzung von Internetangeboten wahr. Als Beispiele nannten die Kinder vielfach Auswirkungen auf ihre mentale Gesundheit und ihr Wohlbefinden sowie Sorgen um den Schutz ihrer Daten sowie ihrer Privatsphäre. Beunruhigt sind sie ob möglicher Kontakte zu Unbekannten (stranger danger), dies auch im Zusammenhang mit potenzieller sexueller Gewalt. Grundsätzlich fühlen sich jedoch fast die Hälfte der befragten Kinder (46 Prozent) sicher, während sich jedes zehnte Kind (10 Prozent) unsicher im digitalen Umfeld fühlt. In diesem Zusammenhang weisen die Organisationen darauf hin, dass zur Bewertung dieser Daten zu berücksichtigen sei, dass Kinder über eine hohe Toleranz gegenüber Online-Risiken verfügen, was darauf zurückzuführen sei, dass Desensibilisierung und Normalisierung gegenüber diesen eingetreten seien. Aber auch Unkenntnis und mangelnde Erfahrungen scheinen zu diesen Bewertungen beizutragen. Demgegenüber steht die Selbsteinschätzung vieler Erziehender, über eine umfassende Kenntnis bezüglich bestehender Online-Risiken zu verfügen. Festgestellt haben die Forschenden jedoch, dass dies so nicht auf Risiken sexueller Gewalt an Kindern online zutrifft und ebenso eine erhebliche Abweichung zwischen den Vorstellungen der Erziehenden zum Nutzen und Verhalten von Kindern online sowie den tatsächlichen Erfahrungen und Erlebnisse von Kindern besteht.

Maßnahmen zur Sicherheit von Kindern assoziieren diese mit dem Schutz ihrer Daten, ähnlich verhält es sich mit dem Schutz ihrer Privatsphäre. Sie sind sich bewusst, dass im Internet Inhalte und Angebote existieren, die nicht ihrem Alter bzw. ihrer Entwicklung entsprechen und/oder sie verletzen könnten. Daher können sie die Notwendigkeit von Schutzmechanismen für Kinder online nachvollziehen. Erziehende vertreten in diesem Kontext die Auffassung, dass diese nicht hinreichend seien, um junge Online-Nutzende ausreichend vor sexueller Gewalt zu schützen. Auch gehen sie mehrheitlich davon aus, dass der Schutz von Kindern im digitalen Umfeld nicht ohne Abstriche bei dem Schutz der Privatsphäre zu realisieren sei. Während jede*r zweite Erziehende (52 Prozent) teils oder ganz damit einverstanden ist, das eigene Recht auf Privatsphäre für Maßnahmen zum Schutz von Kindern online einzuschränken, lehnen rund 18 Prozent der befragten Erziehenden dies ab. Die teilnehmenden Kinder hingegen wünschen sich einen Ausgleich zwischen diesen Interessen und bevorzugen Maßnahmen, die ihren Schutz sowie ihre Privatsphäre gleichermaßen berücksichtigen. Über die Hälfte der Kinder steht dem Einsatz von Maßnahmen zur Überprüfung ihres Alters aufgeschlossen gegenüber, während einige die Sorge äußern, dass die dafür notwendigen Daten auch anderweitig verwendet werden könnten. Auch wurde die Sorge geäußert, dass damit Einschränkungen ihrer Teilhabe online einhergehen könnten. In jeden Fall wünschen sich Kinder Schutzvorkehrungen, die in die Gestaltung des Angebotes integriert (safety by design) sind. Bestehende Angebote erachten sie oftmals als zu kompliziert und wenig nutzendenfreundlich.

Die Studie kommt weiterhin zu dem Ergebnis, dass Kinder wie Erziehende sich vielfach selbst für den Schutz von Kindern online verantwortlich fühlen. Dabei unterschätzen sie die Möglichkeiten der Anbietenden von Online-Diensten sowie die Rolle von Regierungen und Behörden, zum Schutz von jungen Nutzenden beitragen zu können. Diese bevorzugen Meldeverfahren gegenüber den Anbietenden und wenden sich nur nachrangig an (ihre) Erziehenden. Diese wiederum setzen auf technische Maßnahmen und Unterstützung, um die Online-Nutzung (ihrer) Kinder zu sichern. In dieser Begleitung zeigen sich jedoch Herausforderungen im Austausch, da Kinder und Erziehende unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen teilen.

Um digitale Umgebungen zu sicheren Orten für Kinder zu machen, empfehlen ECPAT International, Eurochild und terre des hommes Niederlande vor dem Hintergrund dieser Studienergebnisse, dass Kindern wie Erwachsenen mehr Informationen angeboten und Kenntnisse vermittelt werden. Es gilt, Wissenslücken zu schließen und Fähigkeiten für die sichere Nutzung von Online-Angeboten zu entwickeln. Anbietende, Regierungen, Erziehende und Kinder sind Teil einer Verantwortungsgemeinschaft. Die Ansichten von Kindern und Erziehenden sollten bei der Gestaltung von Schutz- und Sicherungsmaßnahmen Berücksichtigung finden. Dabei legen Kinder Wert darauf, dass diese ihre Privatsphäre nicht verletzen und bestmöglich direkt in die Gestaltung der Angebote eingebettet sind.

Der vollständige Bericht „Speaking up for change - children’s and caregiver’s voices for safer experiences” kann hier eingesehen werden.